HowTo: Das perfekte Skizzenbuch selbst gemacht

Leporello HowTo Titelbild

Unterwegs skizziere ich gerne, ab und zu. Deswegen ständig ein Skizzenbuch mit mir herumzuschleppen ist mir aber zu aufwendig. Eine Zeit lang experimentierte ich mit diversen Skizzenbücher, doch alle hatten sie ihre Macken.

Diese waren unter anderem:

  • zu groß
  • zu klein
  • zu schwer
  • hatten falsches Papier
  • hatten falsches Format (quer statt hoch)
  • hatten falsche Bindung (ich ziehe Heftbindung der Spiralbindung vor)
  • waren zu umfangreich (ich habe bisher noch nie ein gazes Skizzenbuch pro Sitzung vollgekritzelt vollgemalt)
  • waren zu teuer (ich meine, für die paar schnelle Linien, die ich öfters mal ziehe)

Skizzenbücher in geeigneter Größe und mit geeignetem Papier selbst herzustellen (wie es z.B. Michael Shannon zeigt) war mir auf Dauer zu umständlich.

Was macht man mit einer Rolle Canson Karton Fine Face C, 250 g/qm, schier endlose 10 m? Unterwegs leider eher ein wenig unhandlich. Schneidet man jedoch davon ein Stück ab… rollt es zusammen… aber nein, so etwas knickt, ist sperrig und rollt sich beim Malen zusammen. Dann mache ich die Rolle doch gleicht platt!

Ein Stück von der Rolle abschneiden, wie eine Ziehharmonika zusammenfalten, in eine DIN A5 Klarsichtfolie hineinstecken — schon habe ich meine perfekte Malunterlage für unterwegs. Für lange Brücken, hohe Türme und kleine Türen.

Dazu ein Pinsel mit dem Wasserreservoir und ein Farbkasten (beide finden locker Platz in der selben DIN A5 Hülle Platz) und eine kleine Plastikflasche mit zusätzlichem Wasservorrat (das sind die Döschen, in denen sogennante Humanproben verpackt werden) — Maximale Ausbeute bei minimalem Gewicht.

Wem das Leporello selbst nicht steif genug ist, bastelt sich noch eine DIN A5 Kladde, sodass sie im ausgeklappten Zustand DIN A4 groß ist, und packt sie zu dem Leporello. Ich habe meine sogar mit einem hübschen Stoff bezogen, um sie danach nie mehr zu benutzen.

Und der Lohn der Mühe:

  • ich habe Maluntergrund in der Größe, die ich brauche
  • ich schleppe nur so viel Gewicht mit, wie ich brauche
  • ich benutze das Papier, das mir zusagt
  • ich vermeide Spiralbindung, ja sogar jedwede Bindung, und kann trotzdem „endlos“ lange Landschaften oder „ewig“ hoche Türme in all ihrer Pracht auf dem Papier festhalten
  • ich kann alle Bilder auf einmal betrachten, wenn ich das Leporello komplett entfalte. So kann ich viele Farbkombinationen oder Perspektiven eines Sujets auf einmal beurteilen. Kein Umblättern mehr nötig.
  • und das alles zu einem unschlagbar günstigen Preis
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Normalerweise benutze ich nur eine DIN A5 Seite für eine Skizze. Habe ich jedoch ein größeres Objekt, kann ich das Papier drehen, aufklappen — und schon habe ich DIN A4. Es ist bisher noch nicht vorgekommen, dass ich mehr als zwei Seiten hintereinander benutzte. Doch im Falle der Fälle wäre ich auch dafür gerüstet.

(Update:) Und so sieht das fertige Skizzenbuch dann aus:

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Das ausgefüllte Leporello mit dem Augsburger Perlachturm

Alles Gute,

Lydia

P.S.: Haben Sie auch Ihre Tipps für die Malmittel oder Skizzieren vor Ort? Ich bin immer auf der Suche danach. Egal ob es sich um Maluntergrund, Stifte oder Farben handelt.

P.P.S.:

P.P.P.S.: Alle Bilder im Beispielleporello außer dem ersten zeigen Übungen aus dem Buch 10-minute Watercolours. Techniques & tips for quick watercolours (Kindle edition) von Collins gem (hier die Printausgabe). Ich bekomme weder vom Verlag noch von der Autorin Geld dafür, dass ich das Buch hier erwähne. Ich finde es einfach inspirierend, kleine Projekte vor mir zu haben, da mir oft die Zeit für „richtige“ Bilder fehlt. Allerdings würde ich eine geringe Vergütung von Amazon erhalten, wenn Sie das Buch gegebenfalls über die oben aufgeführten Links kaufen. Das erste Bild von links zeigt den Augsburger Perlachturm bei Nacht getaucht in die weihnachtliche Festbeleuchtung.