Vom Fliegen und vom Vatertag

Vom Fliegen und vom Vatertag

An was denkt man zunächst, wenn man an Vater denkt? Meistens an die Stärke, an den Schutz, die er bietet. Zumindest als Kinder empfinden die meisten von uns ihren Papa als den stärksten Menschen der Welt. Nur, wie stellt man die Stärke, Kraft, Schutz, alles abstrakte Begriffe, als Bild dar?

Ich zerbrach mir den Kopf. Und dann sah ich einen Vater, wie er sein Kind in die Luft hochwarf. Das Kind lachte und kreischte vor Vergnügen. Weil es wusste, dass da unten jemand steht, der es auffangen wird, dem es sein Leben anvertrauen kann. Mehr habe ich nicht gebraucht…

Ob ein Kind das Hochwerfen mag oder nicht, hängt meiner Meinung davon ab, ob es der Welt um sich herum vertrauensvoll begegnet.

Haben Sie schon an einem dieser Erkenne-Dich-Selbst-Seminare teilgenommen, wo man einem (mitunter wildfremden) Teilnehmer so weit vertrauen sollte, um sich in seine Hände nach hinten fallen zu lassen? Und, haben Sie es geschafft? Ohne einen Ausfallschritt nach hinten zu tun, im letzten Augenblick?

Haben Sie als Kind vor Freude gekreischt, als Ihr Vater Sie hochwarf, oder erfüllt Sie alleine die Vorstellung daran noch heute mit Grauen?

Träumten Sie als Kind davon, fliegen zu können? Von diesem anmutigen Schweben eines Adlers in der aufsteigenden warmen Luft, nicht dem hektischen Flügelschlag eines Sperlings? Träumen Sie noch immer davon?

Haben Sie sich als Kind auf einer Schaukel immer und immer wieder anstoßen lassen? Höher und höher? Bis Ihnen vor wohligem Schaudern fast Ihr Herz stehen blieb, wenn Sie an dem höchsten Punkt der Kurve, die Schaukel für einen Augenblick in der Bewegungslosigkeit verharrt, für den Bruchteil einer Sekunde das Gefühl hatten, zu fliegen.

Können Sie sich an all dies erinnern? Und wissen Sie noch, warum dieses schaurig-schöne Gefühl so prickelnd-angenehm war? Weil da unten jemand stand, dessen starke Hände Sie sicher wieder in Empfang genommen haben. Egal, wie hoch Sie flogen. Sie kamen immer sicher am Boden an.

Manchmal war es auch der Großvater, der einen als Begrüßung hochwarf, während aus der Küche — Ach! Welch verführerische Düfte! — herwehten und man die Großmutter mit den Pfannen klappern hörte. Und wenn wir ehrlich sind: Waren es nicht die meiste Zeit unsere großen Brüder, die dazu verdonnert wurden, ihren kleinen Geschwistern stets zu Diensten zu sein, die Schaukel anzustoßen und darauf zu achten, dass sie heil wieder auf die Erde zurück kamen?

Ihnen allen zu Ehren habe ich diese Karte gestaltet. Und auch für Sie, damit Sie in Ihrem hektischen Alltag nicht nur ab und zu an Ihre Lieben, sondern auch an dieses herrliche Gefühl Ihrer Kindheit denken*).

Und nein, ich habe mich bisher noch nicht fallen lassen müssen. Und nein, ich kann mich überhaupt nicht mehr daran erinnern, ob ich nun vor Vergnügen oder vor Angst gekreischt habe. Aber! Ich träume nach wie vor von einer Schaukel in meinem Garten, einem absolut einfachen Model, ein Strick mit einer Holzlatte drauf, die metertief von den Ästen eines uralten Baumes herunterhängt…

Allein … der Baum fehlt mir noch.

Und was sehen Sie, wenn Sie Ihre Augen schließen und an Ihre Kindheit, Ihren Vater, Großvater oder auch großen Bruder denken?

Alles Gute,

Lydia

*) © Lydia Meier / Lidame Design. Alle Rechte vorbehalten. Die Karte darf nur zu privaten Zwecken benutzt werden. Sollten Sie Interesse an deren kommerziellen Einsatz haben, setzen Sie sich mit mir in Verbindung.

Vom Fliegen und dem Vatertag (Download)

 

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